Der perfekte Masterplan für das totale Familienchaos
Der Tag hatte schlecht angefangen. Schon am frühen Morgen funktionierte nichts. Manchmal wird ein Tag, der so übel begonnen hat, im Lauf der Stunden noch einigermaßen erträglich. An diesem Tag wurde es immer furchtbarer. Der Abend schließlich versprach, alles in den Schatten zu stellen.
Gleich morgens nach dem Aufwachen um sieben Uhr merkte ich, dass ich schlechte Laune hatte. Gestern Abend war ich total erschöpft ins Bett gefallen, ohne die Spuren der Geburtstagsfeier meines Mannes beseitigt zu haben. Ich hatte keine Energie mehr, die benutzten Teller, die leeren Flaschen und halbvollen Gläser abzuräumen. Zumal die Feier von mir blitzschnell organisiert werden musste: Mein Göttergatte hatte ohne Vorwarnung einige Arbeitskollegen zum Essen eingeladen. Er hatte mich deshalb extra im Büro angerufen:
„Schatz, könntest du bitte für Essen und Getränke sorgen? Du weißt doch ... es ist mir außerordentlich wichtig!“ Aber ja. Schatz konnte. Wie immer. Trotz acht Stunden im Büro, dem anschließenden Haushalt, zwei ständig nörgelnden Kindern und einem Hund, der dringend darauf wartete, dass endlich jemand mit ihm Gassi geht. Die Feier dauerte bis kurz nach Mitternacht. Als endlich der letzte angeheiterte Gast aus dem Haus war, schlug die Uhr eins
Ein Blick auf meinen Angetrauten, der noch selig neben mir schnarchte, genügte mir. Er hatte offensichtlich beschlossen, den Vormittag im Bett zu verbringen. Verdrießlich drehte ich mich noch einmal auf die linke Seite, um mit meinem Schicksal als Frau zu hadern. Mir war bewusst, dass ich das Chaos in der Küche und der Wohnung wieder allein beseitigen würde. Gerade als ich mich noch einmal gemütlich in meine Decke wickeln wollte, ertönte ein durchdringendes Kreischen aus dem Kinderzimmer. Oh nein, dachte ich, nicht schon wieder. Warum müssen Kinder direkt nach dem Aufwachen zu streiten beginnen? Machen das alle Kinder?
Unsere Tochter Lara hatte von einem Geschäftspartner meines Mannes nachträglich zu ihrem sechsten Geburtstag einen Roller geschenkt bekommen. Dem Gebrüll nach zu urteilen, stritt sie gerade mit ihrem Bruder Timmy um ihr neuestes Geschenk. Schlaftrunken kroch ich aus dem Bett, um das Kinderzimmer aufzusuchen. Meine Augen waren noch halb geschlossen, weil ich hoffte, schnell wieder ins Bett flüchten zu können, wenn ich die kleinen Monster erst zur Ruhe gebracht hatte. Aber es gibt keine Gerechtigkeit für müde Mütter. Wieder einmal stand die hölzerne Spielzeugkiste mitten im Weg des unaufgeräumten Zimmers. Da ich barfuß war, tat der Zusammenstoß mit dem harten Holz besonders weh. Vor Schmerz war ich schlagartig hellwach. Nachdem es mir gelungen war, die beiden Streithähne zu trennen, humpelte ich ins Bad, um meinen Fuß zu kühlen.
Aus dem Schlafzimmer hörte ich bereits das ungehaltene Fluchen meines Mannes. Timmy und Lara hatten ihn geweckt. Laut gähnend und verschlafen stand mein Held in der Badezimmertür. Sein Gesicht sprach Bände. Meistens ist er ja ein Gemütsmensch. Aber wenn er im Schlaf gestört wird, ist er den ganzen Tag schlecht gelaunt und für nichts zu gebrauchen. Ich musste auch gar nicht lange warten, bis er seiner Wut freien Lauf ließ. Er blickte auf meinen lädierten Zeh und brummte:
„Ich sage dir ja immer, dass die Kinder nicht ohne aufzuräumen ins Bett gehen sollen. Du musst ihnen ja alles durchgehen lassen! Irgendwann brichst du dir noch das Genick. Wozu habe ich eigentlich einen Aufräumplan für ihr Zimmer aufgestellt? Muss ich mich denn um alles selbst kümmern?“
Jetzt geht das wieder los, dachte ich mir. Mein Mann und seine Pläne: An jeder Zimmertür unseres Hauses hängt ein bis ins Einzelne durchdachter Plan. Vom Frühstück bis zur Nachtruhe hat er alles strategisch durchgetaktet. Sogar über dem Hundenapf klebt ein Fress- und Gassi-Plan. Missmutig schleppte ich mich durch den Vormittag. Nichts wollte funktionieren. Die Kinder nörgelten und stritten pausenlos weiter. Mein Mann pflegte seine schlechte Laune. Ihren Höhepunkt erreichte sie, als er mit dem Staubsauger, den er wütend hinter sich herzog, die Bodenvase und zwei Blumentöpfe umriss. Er fauchte ungehalten
„Schatz, wo ist unser Telefonplaner? Ich rufe jetzt deine Mutter an. Sie freut sich doch immer, wenn wir sie einladen und sie hier aufräumen darf!“
Aus Erfahrung wusste ich, dass Widerspruch in seinem jetzigen Zustand sinnlos war. Meine Mutter war allerdings die Letzte, die ich heute hier gebrauchen konnte. Sie und mein Mann stritten sich sonst den lieben langen Tag. Das musste ich heute nicht auch noch haben.
Aber das ist unverkennbar mein Mann! Unausgeschlafen poltert er so lange durch die Wohnung, bis er Schaden anrichtet – und ich ihn anschließend entnervt in den Keller schicke. In seinem Hobbyraum beruhigt er sich für gewöhnlich. Also schob ich ihn wortlos Richtung Kellertreppe. Am späten Nachmittag klingelte die Nachbarin, um unsere beiden Kinder zu einer Pyjamaparty einzuladen. Was war ich froh! Endlich verließen die Streithähne das Haus. Welch ein unerwartetes Geschenk. Jetzt konnte der Tag im Grunde genommen noch erfreulich werden. Ich räumte die Wohnung auf und nahm mir vor, einen Sonntagskuchen zu backen. Beim Backen verflog meine schlechte Stimmung meistens schnell. Später, als der Kuchen bereits im Ofen war und ich die Küche aufräumte, bemerkte ich das Desaster: Ich hatte vergessen, die Eier unterzurühren. Sie lagen unberührt neben der Zuckertüte. Misslaunig schaltete ich den Herd aus, ging ins Schlafzimmer und legte mich mit einer Schachtel Weinbrandbohnen aufs Bett. Was für ein Tag!
Aus dem Keller hörte ich Bohren und Hämmern. Der Göttergatte war in seinem Element. Auch gut. Dann konnte ich mich ein bisschen ausruhen und danach einen neuen Kuchen backen. Mein Zeh schmerzte immer noch. Seufzend zog ich mir die Decke über die Ohren, um mich selbst zu bemitleiden. Mir fiel langsam, aber sicher der Zeh ab, aber wie immer kümmerte es niemanden in meiner Familie. Nach einer Weile des Selbstmitleids – und mit circa 300 Kalorien mehr auf der Hüfte – schlief ich ein. Wem nützte es auch, wenn ich mich aufregte? Es hörte ja doch kein Mensch zu. Brauchen die mich überhaupt? Es gibt einfach keine Gerechtigkeit für Mütter und Ehefrauen. Undankbare Brut
Ein lauter Knall beendete ruckartig meinen Schlaf. Benommen stellte ich fest, dass es draußen und somit auch im Zimmer stockdunkel war. Verschlafen drückte ich auf die Nachttischlampe neben mir. Nichts passierte. Es blieb düster
.„Nein, nicht das auch noch“, schimpfte ich vor mich hin. Mir kam der Gedanke, dass mein Angetrauter bei seiner Bastelei im Keller eine Leitung getroffen haben könnte. Ich brauchte gar nicht lange zu warten, bis er mit einer Sturmlaterne im Schlafzimmer stand:
„Tut mir leid, Schatz, ich habe die Lichtleitung angebohrt. Ich weiß gar nicht, wie mir das passieren konnte. Ich glaube, ich muss meinen Schaltplan noch einmal durchdenken.“ Er setzte einen schuldbewussten Blick auf und bewegte sich mit der Lampe Richtung Ehebett.
„Was machen wir denn jetzt mit dem dunklen Abend? Außerdem habe ich Hunger!“
Mich konnte jetzt nichts mehr aus der Ruhe bringen. Ich stand auf und nahm ihm die Lampe aus der Hand.
„Was du heute noch machst, weiß ich nicht“, erwiderte ich. „Ich bleibe auf jeden Fall im Bett. Und wenn du Hunger hast: Im Ofen steht ein Kuchen. Leider habe ich vergessen, die Eier unterzurühren.“
Mürrisch bemerkte mein Mann: „Wozu hast du eigentlich einen Back Plan? Da steht doch genau drauf, was in einen Kuchen gehört!“
Eine Sekunde lang haderte ich mit mir. Aber meine Mordgelüste verflogen so schnell, wie sie gekommen waren. Sanft schob ich ihn und sein verdutztes Gesicht aus der Tür, zog mich aus und legte mich wieder ins Bett. Ich bemerkte, dass der Schmerz im Zeh allmählich verblasste. Ich legte mir innerlich einen Plan für morgen, Sonntag, zurecht. Zuerst würde ich meine Freundin anrufen und dann ganz früh verschwinden. Mal sehen, wie sie ohne mich klarkommen, dachte ich noch, bevor ich selig einschlummerte.
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